| Während die "Feldfront" den Ersten Weltkrieg hautnah erlebte, erfuhren die "Heimatfront" und besonders die weibliche Zivilbevölkerung über den militärischen Krieg hauptsächlich durch Medien. Dass die unterschiedlichen Kriegserfahrungen an Front und Heimatfront eine Gefahr bedeuteten, die mögliche Spaltung der beiden Fronten, erkannten manche Autoren sehr deutlich: "Es darf sich keine Kluft auftun zwischen dem Volk in Waffen und dem Volk in der Heimat." Diese Kluft bemühten sich das Kriegsministerium, das Rote Kreuz und die deutschen Gemeinden durch die Einrichtung von Nagelungsritualen, Schauschützengräben und Kriegsausstellungen zu schließen. Britta Lange beschreibt hier die "Deutsche Kriegsaustellung", die 1916 unweit der Gedächtniskirche stattfand und untersucht, wie das geht: einen Krieg ausstellen. |
Die deutsche Tradition der Kriegsmuseen und der Kriegssammlungen bricht mit der Kapitulation und der Revolution 1918/1919 jäh ab, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Militarismus des Kaiserreichs und dem deutschen Kolonialismus blieb allerdings aus. Was sich allerdings bis heute in der Darstellung von Kriegen in Museen gehalten hat, so Lange, ist die Auffassung, "dass durch möglichst viele 'authentische' Faktoren - Ort, Architektur, Gegenstände, Objekte zum Anfassen, Gerüche, Perspektiven - die Erfahrung von 'Realität' hergestellt werden könne". Wer allerdings in wessen "Realität" versetzt werden soll und ob die "multimediale Vermittlung von 'Erfahrungen'" überhaupt die richtige Art und Weise der Darstellung von Kriegen ist, diese Problematisierung lassen, so Lange, auch aktuelle Ausstellungen über den Ersten Weltkrieg, wie etwa im Imperial War Museum in London, vermissen.
Gottfried Oy / Frankfurter Rundschau
Eine aufschlussreiche Fallstudie, die auch der historische Laie mit Gewinn lesen kann.
Stefan Goebel / H-Net
Historische Museen wollen heute ihre Besucher Geschichte persönlich "erfahren" lassen. Das Washingtoner Holocaust-Museum, in dem jeder Besucher das Schicksal eines verachteten Juden nachvollziehen kann, ist zum Modell für derartige Erlebniszentren geworden. Kaum einer weiß dort wohl, dass schon die "Deutsche Kriegsausstellung" von 1916 eine solche, an die Emotion appellierende Inszenierung bot. Die Berliner Kulturwissenschaftlerin Britta Lange rekonstruierte nun dies propagandistische Erfolgsunternehmen und seine reichsweit gezeigten Schwestern lebendig und detailgenau.
Nikolaus Bernau / Berliner Zeitung
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